Lazise und das Sonderrecht von Otto II. im Jahr 983

Die Altstadt Lazise bewahrt unberührt  den  mittelalterlichen  Zauber  ihrer ursprünglichen Stadtanlage mit ihren Gassen und Platzen umkreist von soliden Stadtmauern, ihrer imposanten Scaliger Burg und den herrschenden Stadttürmen. Beliebtes Ziel  vieler Touristen bietet Lazise auβer historischen Bauwerken von unsagbarer Bedeutung und einer traumhaften Landschaft  eine unvergessliche Seepromenade  gekennzeichnet durch eine wellenförmige Pflasterung , die die Grenze zwischen  See und  Bauten aufzulösen scheint. Entlang dieser erstaunlichen Strecke  liegt eingefasst im Damm  einer Villa ein Grabstein aus rotem Marmor aus Verona , der allen Vorübergehenden daran erinnern läβt, das Lazise die altertümlichste Gemeinde  Italiens ist:“ am 7. Mai 983 gab der Kaiser Otto II. den ursprünglichen Einwohnern von Lazise wichtige Sonderrechte für Handel und Fischerei, so daβ sie sich als selbständige Gemeinde verwalten und den Aufbau eines Mauerrings zu Verteidigungszwecken durchführen konnten„.
Otto II.  empfang beim Reichstag in Verona 983 eine Delegation von 18 Männern in Vertretung der Gemeinschaft Lazise und gab ihnen Sonderrechte zu, welche in der Praxis eine Verwaltungsautonomie gewährleisteten. Dieses historische Ereignis ist von großer Bedeutung, da der Kaiser Otto II. auf der Rückkehr vom Süditalien war, wo er eine militärische Niederlage seitens der  Saraceni erlebt hatte und hatte vor, sein politisches Ansehen  mit Bündnissen  zu verstärken. Der Kaiser richtete seine Aufmerksamkeit besonders auf die neuen entstehenden Klassen, die von einem geographischen, militärischen und politischen Standpunkt aus, eine strategische Rolle spielten, um sich eine wirkungsvollere und breitere Kontrolle auf dem ganzen Territorium zu sichern. Vor dieser Zeit  war es üblich, daβ der Kaiser  zugunsten  Klöster und Fürst-Bischöfe Güter und Sonderrechte anstatt Dienstleistungen und Unterwerfung zugestanden, aber nie war es passiert, daβ solche Privilegien einer Gemeinschaft, vor allem einer Stadt, zugegeben worden waren. Lazise genoβ  als erste Gemeinschaft dieses  Sonderrecht und ihre Einwohner sind noch heute so stolz darauf, daβ die Verwaltung Lazise  ein “mittelalterliches Fest” in Erinnerung an diese auβerordentliche Konzession jedes Jahr Anfang Mai feiert, wobei der Text der Beurkundung offiziell vorgelesen wird.
Anfang Mai hat die touristische Saison schon angefangen und die Veranstaltung nimmt einen bedeutungsvollen  Volkswert an: in der Altstadt  atmet man eine  mittelalterliche Atmosphäre ein  und  die Gassen beleben sich mit Umzügen, Tanz ,  Gauklern, Straßenaufführungen, antiken und himmlischen Klängen, Damenkavalieren, Fahnenschwenkern und Falknern aus der Partnerstadt Rosenheim, welche von Porta San Zeno  durch die Stadtgassen den Rathausplatz erreichen. Hier warten  der Bürgermeister  und die Verwalter auf die Ankunft der Pferdeparade und nehmen an der Vorlesung der Beurkundung seitens eines Herolds teil, womit der ganzen Gemeinschaft Lazise offiziell mit diesem Privileg informiert wird. Der Unterschrift vom Papier seitens Kaisers Otto II. folgt die Übergabe an den  Bürgermeister nach. Die Adligen bieten dem Bürgermeister und den Verwaltern wertvolle Geschenke und die Zeremonie endet mit einem Trinkspruch gemacht mit dem berühmten Wein Bardolino Classico D.O.C., hergestellt in den Weinkellereien in Lazise.  
Am Hafen, rund um die Kirche von San Nicolò und auf dem Rathausplatz erzeugen Handwerker in mittelalterlichen Kostümen  Töpferwaren, Schnüre, Gewebe und andere Waren  notwendig für das damalige Alltagsleben. Hufschmiede, Tischler, Stickerinnen, Fälscher, Scherenschleifer, Dekorateurinnen von  Töpferwaren stellen ein typisches vergangenes Tagesbild wieder her und einige Restaurants bieten den Besuchern Speisen vorbereitet nach der mittelalterlichen Tradition und serviert von Personal bekleidet in historischen Kostümen.



Ultimo aggiornamento: 23.03.09